Eine feine Platte für die Ewigkeit

Ray Bonneville - Easy Gone (VÖ: 15.04.2014)

Man muss es nicht eilig haben, um nach vorne zu kommen.

Der in Kanada geborene und in den Staaten aufgewachsene Ray hat das zutiefst verinnerlicht. Dem französischen Flair Quebecs' ist es denn auch wohl geschuldet, dass Ray seine musikalischen Vorlieben im Sound von New Orleans sucht. 

Seine Lebensgeschichte ist geprägt von seiner Zeit als Soldat im Vietnam-Krieg. Country Joe McDonald beschrieb das einmal treffend so: „I came home from the war to war at home“. 

Danach arbeitete er als Taxi-Fahrer und später als Busch-Pilot. Obwohl er ständig in kleineren Clubs spielte, veröffentlichte Ray erst mit 45 Jahren sein erstes Album. Heute ist er 66 Jahre alt und tourt immer noch bevorzugt durch kleine Clubs, meist alleine als „One-Man-Act“. 

Rays' musikalischer Stil wird leider zu oft mit dem von JJ Cale oder Tony Joe White verglichen.

Mir ist das zu einfach und es stimmt nicht.

Ray ist ein tiefgründiger Songschreiber, ein Poet. Der Sound von New Orleans sicher sein größter Einfluss, aber eben nicht alles.

Seine Lebensgeschichte, sein Aufwachsen in Kanada und den Staaten und sein scharfer Blick auf unsere Zeit machen ihn zu Ray Bonneville und eben nicht zu einem, der „wie“ jemand klingt.

Seine neue Veröffentlichung „Easy Gone“ ist daher wieder einmal ein weiterer Beweis für sein enormes Können. Dicht und auf den Punkt gespielt. Kein Ton zu viel, aber auch keiner zu wenig. Man merkt deutlich, dass alle Songs auch problemlos ohne Band funktionieren. Dass hier eine Band mit im Boot ist, gibt dem Ganzen zusätzlich Glanz und Größe. Wunderbare Arrangements, äußerst zurückhaltend umrahmt, machen diese zehn Songs zu einem absoluten Hörgenuss.

Rays' Stimme und sein unaufdringliches Harp-Spiel führen mich als Hörer von Song zu Song, ohne auch nur einmal zu ermüden. Sogar die Coverversion von Hank Williams' „I'm so lonesome I could cry“ ordnet sich diesem Flow gekonnt unter. Und Ray ist ein ausgezeichneter Gitarrist. Sein Spiel ist knapp, aber prägnant. Die Harmonien ausgesucht, aber nicht verkopft. Sein Gitarren-Sound absolut geschmackvoll.

Eine feine Platte für die Ewigkeit!

Wer diesen tollen Musiker live erleben möchte, hat am 23. Dezember 2014 die wohl einmalige Gelegenheit. An diesem Abend spielt er in der NEUEN WELT in Ingolstadt.