Musik, die glücklich macht

Eric Bibb - Blues People (VÖ: 07.11.2014)

Bei dem CD-Titel „Blues People“ fällt mir zu erst das beste Buch gleichen Namens über die Wurzeln des Blues ein. LeRoi Jones schrieb es in den 60er Jahren. Der Untertitel war bereits Programm: „Negro music in white America“. Dann ließen einige Vorankündigungen dieser CD das Gefühl aufkommen, Eric Bibb widme sich hier seiner eigenen afrikanischen Wurzeln. Hätte mich in keinster Weise gewundert. Nun ist die CD da und alles ist ganz anders.

Die „Blues People“ sind in erster Linie Freunde von Eric, die mit ihm zusammen sein neuestes Werk eingespielt haben: Popa Chubby, Guy Davis, JJ Milton, The Blind Boys of Alabama, Harrison Kennedy, Ruthie Foster, Glen Scott, Taj Mahal, Linda Tillery, André De Lange und Leyla McCalla. Eine beeindruckende Liste, die alle Erwartungen erfüllt.

Jeder Gast hat seine eigene musikalische Geschichte, seinen eigenen Stil. Und das ist hier in bester Weise zu hören, denn Eric nimmt jeweils den Spirit auf und zelebriert eine musikalische Reise durch den Blues-Kosmos. So entstand seine seit langem bluesigste Scheibe, die oft die traditionelle Spielart aufgreift. Natürlich sind auch wieder ganz großartige Balladen dabei. Und für mich kann er immer wieder einen seiner schönsten Songs aufnehmen: „I heard the angels singin'“, den er hier zusammen mit den „Blind Boys of Alabama“ neu eingespielt hat. Gänsehaut!

Eric Bibb drängt sich dabei nie in den Vordergrund, sondern erweist all seinen Freunden die Ehre, die ihnen gebührt: Ob der Legende Taj Mahal oder der noch sehr jungen Leyla McCalla.

Alle finden ihren Platz an der Seite von Eric Bibb. 

„Blues People stick together“ singt Eric und das meint er auch so, denn die tiefe Verbundenheit zu seinen „Blues People“ ist in jedem Stück zu hören. Mit dieser CD ist Eric Bibb wieder einmal ein wunderbares Werk geglückt. Und ich kann mich nur wiederholen, wenn ich sage, dass die Musik von Eric Bibb glücklich macht.

„We must go on walking as one!“, singt Eric zusammen mit André und huldigt damit dem großen Mandela (Madiba) im Song „Home“.

Und genau diese Einstellung ist es, die mir Eric Bibb so endlos sympathisch macht. Immer wieder und wieder. In all den Jahrzehnten, die Eric jetzt schon unterwegs ist, hat er diese Hoffnung auf Frieden nie aufgegeben. Und mit dieser CD ist er diesem Wunsch wieder einen Schritt näher gekommen.

„One day we`re here, next day we're gone“ singt er im Song „Where do we go“ zusammen mit der aus Haiti stammenden Leyla. Knapper kann man unser aller Schicksal doch nicht zusammenfassen? Und besser kann man den Wert von Liebe und Zusammenhalt nicht beschreiben.

Mit dieser Mahnung an unseren Verstand, endlich jegliche Art von Hass und Krieg zu beenden beschließt Eric sein Werk „Blues People“ und lässt mich wieder einmal berührt und nachdenklich zurück. Und glücklich!

 

Alexander Möckl