Ein Treffer mitten ins Herz

Mighty Mo Rodgers  - A Mississippi Blues Tale: Mud'n'Blood (VÖ 24.10.2014)

„To understand the world you must first understand a place like Mississippi“ zitiert Mighty Mo zu Anfang den Dichter William Faulkner.

Ich sage: „To understand the blues you must first understand THIS record!“. Keine leichte Kost, die Mighty Mo Rodgers hier seinen Hörern darreicht. Diese Platte ist eine Reise zurück in die grausame Geschichte der Sklaverei. Und anders als bei vielen seiner Kollegen wird hier nicht versucht, diese Grausamkeit in Metaphern zu verpacken, sondern Rodgers spricht sie aus, diese bis heute unglaubliche Wahrheit über das größte Verbrechen an der afro-amerikanischen Gesellschaft.  
„Can I have some water, Captain?“ intoniert er so markerschütternd, dass mir das Blut in den Adern gefriert. Erzählt wird die „typische“ Situation eines Sklaven auf den berüchtigten Baumwollplantagen des Südens. Gefolgt von einem gedicht-gleichen Song, der beschreibt, wie er einen toten Menschen am Baum hängen sieht, übersät von Fliegen. Und dieser Tote erzählt ihm die Geschichte des ganzen Leidens der schwarzen Bevölkerung, also aller seiner Brüder und Schwestern. Mighty Mo Rodgers ist es sehr wichtig, dass diese Wahrheit nicht vergessen wird.

Vielleicht hat auch er das Gefühl, dass zwar allen Orts Blues gespielt wird, aber kaum mehr einer daran denken möchte, was der eigentliche Ursprung dieses Gefühls ist. Nach dem ersten Teil dieser Platte wird das keinem mehr möglich sein! Wer hinhören will, wird nie mehr vergessen, was diesen Menschen zu hunderttausenden widerfahren ist. Bis heute!

Doch Mighty Mo geht es hier nicht nur um die Schau auf das Leid, denn den zweiten Teil seines „Mississippi Blues Tale“ gestaltet er bewusst zugänglicher. Nicht weniger Inhaltsschwer, aber erheblich gefälliger im Sound. „Blues“, so will ich ihn verstehen, hat auch gute Seiten. Und die kann man hier auch hören.

Und noch eines ist sehr untypisch für diese Platte im Genre „Blues“: Hier haben wir ein richtiges Konzept-Album vor uns. Eine Platte also, die vom ersten bis zum letzten Track eine Geschichte erzählt, die Geschichte von Mississippi. Ganz in Anlehnung an seinen zu Anfang zitierten Lieblingsschriftsteller, schrieb hier Rodgers eine Erzählung (=tale). Eine Erzählung, deren einzelne Kapitel die einzelnen Songs sind. GENIAL!    

Ich bin absolut überzeugt von dieser Platte. Mich trifft sie total ins Herz und beschäftigt meinen Geist, nachhaltig. Dieser Mann hat etwas zu sagen, diesem Mann müssen wir unser Ohr schenken, diese Platte muss gehört werden. Der Inhalt und die Aussage sind für mich von derart großer Bedeutung, gerade auch wieder in unserer Zeit, dass ich hier über die musikalische Umsetzung gar nicht mehr schreiben, sondern einfach mit einem Zitat von Mighty Mo Rodgers selbst enden möchte: „From the Slavehouse to the White House“.

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