Genialer Retrosound ohne Staubbelag

Hundred Seventy Split – HSS (VÖ: 07.02.2014)

Jeder kennt den erleichternden Moment, wenn man nach einem fetten Mahl seinen Gürtel öffnet, um mal so richtig durchzuatmen. Die Jahre mit Alvin Lee waren die fetten, erfolgreichen und glorreichen Jahre. Die Nachfolgebands nur noch ein Wunsch, diese Zeit nie sterben lassen zu wollen. Nun ist auch Alvin Lee selbst schon fast ein Jahr im Himmel der Glorreichen angekommen. Zeit also, das eigene Ding zu machen, durchzuatmen also.

Leo Lyons, Gründungsmitglied und Basser von „TYA“ zog endlich den Schlussstrich und formierte seine eigene Band: Hundred Seventy Split. Mit an Bord Joe Gooch an der Gitarre und Damon Sawyer an den Drums. Wieder ein Trio. Und wieder eines, das es in sich hat. Die jahrzehntelange Erfahrung von Leo macht sich hier erfreulich hörbar. Und wer ein Bein noch so standfest in den 60er Jahren hat wie er, kann mit dem anderen gekonnt ins große Feld der Neuzeit treten.

Seine deutlich jüngeren Kollegen atmen förmlich die Mystik der Vergangenheit ein und pusten sie im Jetzt wieder aus. So frisch und knackig kommt der Sound daher. Jeder Song erfüllt einen mit der Magie des Großen, des Vollkommenen. Retro-Sound ohne Zentimenter-dickem Staubbelag, Klasse ohne sentimentale Dusselei, Können auf höchstem Niveau ohne Arroganz.
Hier ist eine Band zu hören, die zu einem musikalischen Schmuckstück zusammengeschmolzen ist. Ein Schmuckstück, das je nach Blick und Licht in alle Facetten des Blues und des Blues-Rock schimmert und dabei immer glänzt und große Freude macht. Die Songs sind durchweg gelungen, unglaublich abwechslungsreich, toll gesungen und feinsinnig arrangiert. Jedem der drei Charaktere bleibt der rechte Raum, zur eigenen Entfaltung, ohne dabei in Egomanie zu ersticken. Alle bewegen sich auf der gleichen Augenhöhe und erschaffen dadurch ein gelungenes Stück Musikerlebnis, das förmlich auf die großen Bühnen dieser Welt drängt.

Zur Präsentation ihrer CD machen sich die Jungs auch auf, ihre Freude und enorme Spiellaune dem Publikum zu präsentieren. Geht hin!

 

Alexander Möckl

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