Das Revival des 60er-Jahre-Blues

Blues’n’Trouble – Try anything twice (VÖ: 23.10.2012)

Es gibt Musik, die stößt beim ersten Ton eine Tür auf, durch die man schon lange nicht mehr gegangen ist. Diese Scheibe hier stößt gleich zwei Türen auf und das ist für mich sehr spannend.
Blues’n’Trouble zählen mich quasi mit ihrem Opener direkt zurück in die 80er Bluesszene Englands. Bands wie Nine Below Zero, Stiff Little Fingers und die unglaublich tollen Dr.Feelgood kommen mir sofort in den Sinn. Diese damals jungen Bands eröffneten ein Revival des 60er-Blues-Booms auf dem britischen Kontinent. Ein Revival, das irgendwie nie zu Ende ging. Gerade dieses Jahr waren einige der alten Helden wieder auf Tour, was beweist, dass sie immer noch am Strom hängen und nichts von ihrer Begeisterung verloren haben.
Auch die Jungs von Blues’n’Trouble sind Relikte jener Zeit, waren aber hier nie so erfolgreich wie ihre Kollegen. Nun haben sie sich nach neun Jahren wieder zusammengetan, um es nochmals allen zu zeigen. Das Ergebnis: Eine Zeitreise und ein Lehrstück des britischen Blues’.

Der britische Blues unterschied sich immer schon sehr deutlich von den amerikanischen Vorbildern. Die europäische Vielfalt ist einfach immer herauszuhören. Gerade die späten 70er und die Anfänge der 80er ließen Vieles zusammenkommen. Da war Punk, da waren die letzten Ausläufer des Prog-Rock, da wartete schon der Synthie-Pop auf die Hörer. Alles war möglich und die Grenzen waren nicht sehr eng gesteckt.
Kleine Platten-Firmen veröffentlichten ein Misch-Masch an Singles ohne jede erkennbare Ausrichtung und hatten Erfolg damit. Ich denke da mit Wehmut z.B. an Stiff-Records. Und genau diese Wehmut ergriff mich sofort beim ersten Ton.

„Try anything twice“ sägt sich einem sofort ins Ohr. Alles klingt sofort vertraut; Dieser Rumpel-Boogie, die Gitarren-Riffs, die schnöde Art der Soli und diese Stimme mit dem unverwechselbaren Akzent. Hurra! Ich bin sofort wieder 16 Jahre alt! Das Piano-Solo bringt mir die guten alten TV-Shows wieder ins Gedächtnis: BeatClub, Rockpalast und Co.
Ja, manchmal sollte man wirklich alles nochmal probieren, auch diesen speziellen Sound dieser Zeit wieder hören. Der ist frisch, der ist witzig, einfach unbeschwert!
Ich habe wirklich schon vergessen, wie aufmunternd dieser Sound sein kann.
„Cadillac“ die reine Bo Diddley Orgie, „Money’s tight“ herrliche wie hier die Harp den Anfang veredelt, „Down and Dirty“ wunderbar psychidelisch, „Waiting“ bluesig und ganz groß!
Aber da ist ja noch die zweite Türe.

Wie kommen die Jungs nur auf die Idee, den Pre-Rock’n’Roll-Klassiker „Rock the Joint“ von Bill Haley zu covern? Haley nahm diesen Song 1951 für Essex-Records auf und war noch ganze drei Jahre von seinem Hit „Rock around the clock“ entfernt. In dieser wirklich gelungenen und perfekten Kopie dieses Heulers zeigen sie noch einen ganz anderen Aspekt ihres Könnens und beweisen höchste Spielfreude. Für mich wirklich ein Flash. Denn vor der Zeit, in der ich die britische Musik endlos in mich aufgesogen habe, war Bill Haley mein größtes Idol.
Somit vereint diese Scheibe ganze zwanzig Jahre meiner musikalischen Hörerlebnisse. Das muss erst mal jemand schaffen! Bravo!
Das löst in mir wahrlich eine psychidelische Reaktion aus, wie sie es auch in ihrem letzten Track der CD besingen. Diese ganze Scheibe ist wirklich eine gelungene Melange aus allem, was die britische Blues-Rock-Szene seit Ende der 70er zu bieten hatte. Feine Platte!
Auf der band-eigenen Web-Seite findet ihr dann alles, was hier nicht steht!


Alexander Möckl