Fett, dreckig, rockig, bluesig

Bart Walker – Waiting on daylight (VÖ: 25.01.2013)

Ich könnte es mir so einfach machen: Van Morrison trifft auf ZZ Top, Schublade zu und fertig.  Aber das wäre nicht einmal im Ansatz gerecht, denn was Bart Walker hier vorlegt ist ein Knaller: Fett, dreckig, rockig, extrem bluesig und einfach nur geil.
Da hat Ruf Records einen richtig dicken Fisch geangelt und damit auch gleich einen super Headliner für den Blues-Caravan 2013.
Gut, Bart umgibt sich mit alt gedienten Nashville-Größen, läßt sich vom Top Produzenten Jim Gaines die Platte veredeln und hat in seiner Vita so manche Größe des Blues-Business vermerkt. Doch all das ist noch lange keine Garantie für eine so tolle Scheibe. Bart selbst ist der Star, der gekonnt mit diesen Zutaten das perfekte Blues-Rock-Album kocht.

Für mich ist diese Platte wie die Speisekarte meines Lieblings-Restaurants: Traditionelles trifft auf Modernes, schwerer-sumpfiger Süd-Staaten-Rock tummelt sich mit kleinen „amuse-gueule“ und für die süßen Bedürfnisse kommt der Titel-Track „Waiting on daylight“ daher wie ein Soufflé aus Sahne und Bitterschokolade. Lange habe ich solch einen Song nicht mehr gehört und er erinnert mich an die ganz großen Momente von Van Morrison.
Und wie bei einem guten Resaurant ist auch hier der Chef-Koch die Seele des Ganzen. Bart’s Stimme, manchmal geschickt angezerrt à la Black Keys, setzt sich sicher gegen die Band durch. Er versteht es, die Rauheit genau so zu verpacken, dass sie ehrlich klingt und dennoch nie auf die Nerven geht. Flankiert wird sein Gesang vortrefflich von seinem Gitarrenspiel. Der Gibson-Award-Gewinner zeigt hier, warum er zu Recht diesen Preis in Händen halten darf.

Bart beherrscht alle Stile so selbstverständlich, dass man vor Ehrfurcht niederknien möchte. Mal rockig-rotzig, dann filigran-verspielt oder mit dem Slide wie anno dazumal („Hipshake it“). Seine Band ist natürlich die perfekte Ergänzung zu seinem Können. Alles passt zusammen. Sehr abwechslungsreich, dynamisch und extrem unterhaltsam.
Zudem sind die meisten Songs dieser Platte Eigenkompositionen, die Bart’s eigenen Charakter besitzen.  Das ist mir ungemein sympatisch. Wenn er covert, dann covert er, wenn er selbst komponiert, dann ist es sein Song und nicht die geschickte Kopie eines Songs. Eine Qualität, die leider sehr selten geworden ist.
Somit ist diese Platte für mich schon der super Einstieg in dieses Jahr und eine Platte, an der sich alle nachfolgenden Produktion zu messen haben.

Also Leute, nicht warten – kaufen!

 

Alexander Möckl

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