Den Spaß der Band kann man hören

The Lucky Peterson Band feat. Tamara Peterson – Live at the 55 Arts Club Berlin (VÖ: 19.10.2012)

Was hier vor mir auf dem Tisch liegt ist mal ein richtiges Pfund, nicht nur musikalisch. Zwei randvolle CDs und drei DVDs. Das ist mal eine Veröffentlichung, die so richtig aus dem Vollen schöpft. Und wenn jemand versucht hätte, mir Elmore James und Prinz in einem Atemzug zu nennen, den hätte ich bis gestern noch glatt für verrückt gehalten!

Aber mal der Reihe nach. Judge Kenneth Peterson hat allen Grund, seine Vornamen in nur Lucky zu verkürzen. Kein geringerer als der große Willie Dixon nahm den kleinen Judge unter seine Fittiche. Was sollte da noch schief gehen? Nichts, denn ausgestattet mit einem enormen Talent an der Hammond-Orgel und der Gitarre war der Weg frei für eine bis heute anhaltenden Karriere. Ach ja, singen kann er natürlich auch noch unbeschreiblich variantenreich!

Viele Kollegen wären froh, wenn sie nur eines dieser Instrumente so beherrschen würden wie Lucky. Im übernächsten Jahr feiert er seinen 50sten Geburtstag und mit dieser Box hat er sich wohl schon mal selbst ein großes Vorab-Geschenk gemacht, ein ganz ganz großes! Dieses geringe Alter für einen Blues-Mega-Star erklärt sofort seinen interssanten Stil-Mix: Soul, Funk, Gospel und Blues. Ein weites Feld, das nur sehr wenige so gekonnt beackern wie er. Aufgewachsen in den 60ern und frühen 70ern zeigte sich auch der Chicago-Blues jener Zeit modern. Man denke nur an die gewagten Alben von Muddy Waters (“Electro Mud”) und Howlin’ Wolf (“This is the….”). Der Soul ging in den Funk über und die Helden der alten Tage übergaben den Stab an die jüngere Generation.

All das höre ich aus dieser Live-Aufnahme heraus. Gleich die ersten Takte geben das Konzept vor: druckvoller, versierter und erstklassig gespielter Blues-Soul-Funk-R&B. Da grooved es, da wabert die Hammond, da wird sofort mit dem Publikum kommuniziert, da ist eine Stimmung, die jeden sofort in ihren Bann zieht. Die sagenhafte Band ist präsent, ohne ihren Boss zu erdrücken, platzt hervor, wenn sich die Gelegenheiten bieten, ist dezent im Hintergrund, wenn der Meister zum Publikum spricht. Reagiert punktgenau auf jede Regung und bringt es fertig, auch die wenigen ruhigen Songs kraftvoll erstrahlen zu lassen (“Trouble”!).

Der Wechsel von der Hammond zur Gitarre gelingt immer. Auf beiden Instrumenten ist Lucky mehr als zuhause. Einfach nur perfekt und immer stimmig zum jeweiligen Song. Besonders gut zu hören ist sein Gitarren-Können auf dem Blues-Medley. Da packt er so alle Stile an, die man so kennt. Gerade diese Wandelbarkeit in seinem Spiel macht seine Musik so spannend, aufregend und nie langweilig. Vom notenreichen Solo bis hin zum lang gehaltenen einzelnen Ton. Da ist einfach alles da!

Den oft beschriebenen Gospelanteil in Luckys’ Musikmix übernimmt zum größten Teil seine Frau Tamara mit ihrer ebenso großartigen Stimme. Den dabei eingesetzten Vocoder auf seinem Keyboard für den imaginären Chorgesang hätte er sich meiner Meinung nach sparen können, denn Tamaras’ Stimme ist alleine schon so gut, das sie keine elektronische Hilfe nötig hat. Aber wenn es ihm hörbar Spass macht, will ich mal nicht so sein (“Been so long”). “Lost the right” beschließt dann atemberaubend im Duett die erste CD, die so schon genug Extase verbreitet.

Doch nicht genug, auf zur zweiten Scheibe, die gleich derart abrockt, dass man nur noch tanzen möchte! Unterschied zur CD1 ist die Songauswahl. Im zweiten Set können wir mehr Klassiker der Blues-Geschichte hören, z.B. “I’m ready”. Wie viele Coverversionen habe ich davon schon gehört. Wie viele davon richtig langweilig. Doch Lucky nimmt sich diesen Song und macht ihn zu seinem Song. Ein Orgel-Solo in bester Jimmy Smith Manier, dynamische Drum-Arbeit und ein Background-Groove, unglaublich. Selten hat dieser Song soviel Spaß gemacht!

Aber Lucky geht noch weiter zurück. Womit wir gleich bei Prince angekommen sind. Ihr erinnert euch? Die Resonator-Gitarre und das Bottleneck lassen großes erahnen und dann passiert es: Zunächst schäppert er Elmor James’ “Dust my broom” heraus, geht über in The world’s in a tangle” und dann in, man glaubt fast seinen Ohren nicht, in “Kiss” von Prince gesungen im Duett mit seiner Frau (“my lovely beautiful wife”, wie er sie selbst ankündigt, süß!) Was für ein Spagat. Großartig.

Zum Schluß geben sie dann nochmals alles und enden im über 14 minütigen und sehr funky-launigem “Real Music”. Da darf jeder nochmals zeigen, was er so drauf hat. Das ist wohl auch die Botschaft dieser unglaublichen Truppe, die sich nicht umsonst “The Lucky Peterson Band” nennt. Denn alle hier auf der Bühne sind herausragende Musiker und das zu hören macht richtig, richtig Freude! Fazit: Absolute Kaufempfehlung!

 

Alexander Möckl

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