Blumig ausgeschmückt

Paul Jones – My Way (VÖ: 21.09.2012)

Wir schreiben das Jahr 1966. An der Spitze der UK-Single-Charts tummeln sich die Beatles („Day Tripper“), die Stones („Paint it black“), die Kinks („Sunny Afternoon“), die Walker Brothers („The sun ain’t gonna shine anymore“) und Manfred Mann („Pretty Flamingo“). Das war auch Paul Jones’ letzte Zusammenarbeit mit Manfred Mann.


Beflügelt von diesem Erfolg als Sänger einer Band, die nicht seinen Namen trägt, verlies Jones die Band und nutzte die Popularität für seine Solo-Karriere, die bis heute anhält, wenn auch mit ganz anderen musikalischen Mitteln.

Doch zurück ins Jahr 1966, ein musikalisch defuses Jahr.
Der etwas härtere Beat scharrte schon mit den Hufen, doch die orchesterlastigen Bombastsongs hatten noch die Oberhand, zumindest in puncto Verkaufszahlen. Paul Jones entschied sich für den Bombast. Was aus der damaligen Situation heraus logisch klingt, ist heute gehört doch sehr brav.  Die vorliegende Collection ist zunächst eine Wiederveröffentlichung der ersten Solo-LP von Paul Jones „My Way“, wohl gleich mal eine Kampfansage an seinen früheren Chef.
Dazu gibt es als Bonus-Tracks die komplette EP mit den Songs aus dem Film „Privilege“, drei Non-LP-Tracks und zwei bisher unveröffentliche Titel. Eine randvolle CD also.

Vergleicht man den jungen Paul mit seinem Schaffen bei „The Blues Band“ kann diese CD nicht mithalten. Mag man jedoch die frühen Manfred Mann Singles, ist das hier gleichwertig bis besser. Ich mag die frühen Beat-Songs des Südafrikaners Manfred Mann, der immer schon erkannt hat, dass ein guter Sänger den Song erst richtig rund macht und er hat mit seiner Wahl immer ins Schwarze getroffen.
Paul Jones’ Einstieg in seine Solo-Karriere ist untrennbar von seinem Arrangeur und Songschreiber Mike Leander, der u.a. auch für Garry Glitter sämtliche Hits schrieb und produzierte. Seine Affinität zu Musicals (u.a.„Jesus Christ Superstar“) erklärt seinen opulenten Stil. Somit erwartet den Hörer hier dichtes Songwriting, blumig ausgeschmückt mit allen Mitteln eines Orchesters: Süße Streicher, Trompeten, Chor und Co.

Zusammengehalten wird der Sound durch typische Elemente der damaligen Beat-Musik: Galoppierende Drums, gelegentlich eine warme Hammond-Orgel, Honky-Tonk Piano, simple E-Bass-Läufe und natürlich die unglaublich croonige Stimme von Paul Jones, die sich gegen all diesen Bombast durchsetzt. Im Grunde hat man hier eine beatige Version eines Frank Sinatras vor sich der im Stile von Sandy Shaw singt.
Der Hit war „High Time“, mir jedoch gefällt „I can’t hold on much longer“ viel besser. Ein wirklich toller Song mit einer unglaublichen Gesangslinie! Ein wahres Meisterwerk!
Und als wollte Paul schon mal einen Ausblick auf sein späteres Schaffen geben, findet sich hier auch noch der Song „Sonny Boy Williamson“. Der Titel ist Programm und eine ergreifende Hommage an die große Blues-Legende und gleichzeitig auch ein Beweis dafür, das Paul Jones im Grunde immer schon ein Blues-Mann war und bis heute ist.
Fazit: Wer hier keine Blues-Platte im Stile der legendären „Blues Band“ erwartet und um den Sound der damaligen Zeit weiß, wird seine Freude haben.
Wer schwülstige Songs nicht mag, kann sich den Kauf sparen.

 

Alexander Möckl