Finnen auf dem Blues-Olymp

Wentus Blues Band – The Last Of The Big Time Spenders (VÖ: 30.01.2012)

Mit Finnland verbindet man viel: Vodka, Tango und Mobilfunk, aber Blues?
Aber natürlich! Die skandinavische Blues-Szene ist sehr rege und ausgeprägt. Ganz vorne dabei ist die Wentus Blues Band. Seit fast drei Jahrzehnten sind die Jungs zu Gange und haben sich viele Fans erspielt. Mit über 150 Konzerten im Jahr gehören sie eindeutig zu den ganz Großen im Blues-Business.
Das hat sich auch bis ins Mutterland des Blues’ herumgesprochen und zu engen Freundschaften mit den Helden aus den Staaten geführt. Ihr Jubiläumsalbum „Family Meeting“ (2007) macht das eindrucksvoll deutlich. Mit Gastauftritten von Eric Bibb, Mick Taylor oder Lousiana Red bewiesen die „Stars“ der Szene ihren finnischen Brüdern ihre Verbundenheit.

Bereits zwei Jahre zuvor war Phil Guy, der Bruder von Buddy, auf Europa-Tournee. Er nutze die Gelegenheit, mit der Wentus Blues Band in Finnland einige Konzerte zu spielen. Dabei wurde glücklicherweise auch eines davon in Helsinki mitgeschnitten, das hier mit dem schlichten Titel „feat. Phil Guy“ veröffentlicht wurde.
Acht überdurchschnittlich lange Songs sind hier zu hören. Acht Songs, die Phil als hervorragenden Strat-Gitarristen zeigen und als einen Sänger, der sein Handwerk beherrschte. Leider starb er drei Jahre später mit nur 68 Jahren. „Help me“ eröffnet mit einem nach Booker T.’s „Green Onions“ klingendem Riff und schiebt sich unaufhaltsam nach Vorne.

Hier wird sofort klar, wo es lang geht: Chicago-Blues ist angesagt. Vergleiche mit den „Blues Brothers“ kommen mir sofort in den Sinn. „Oh Darling“ greift diese Hook-Line auf und läßt mich begeistert weiter staunen. Das Harp-Spiel flankiert gekonnt die geilen Gitarren-Riffs und das scharfe Gitarrenspiel von Phil. „Texas Flood“ drosselt das Tempo und läßt Raum für Phils’ einzigartige Stimme. Und trotz der mehr als zehn Minuten wird dieser Song keine Sekunde langweilig. So ergeht es mir mit jedem weiteren Track. Schön ausgepielte Soli, tolle Einwürfe der Band, super frasierter Gesang und eine enorme Präsenz von Phil. Der Klang der Band ist so original Chicago-Style, dass hier einfach keine Grenze zu erkennen ist.

Das Ganze klingt in keinster Weise aufgesetzt oder bemüht kopiert. Die Jungs sind so echt, wie ihre großen Vorbilder. In Kooperation mit Phil erreichen sie daher den Gipfel des Olymps und setzen mit dieser Platte einen Maßstab, der nur schwer zu toppen ist.
Großartige Musik, von großartigen Musikern, die mit Haut & Haar & viel Herzblut dem Chicago-Blues verschrieben sind und ein einzigartiges Vermächtnis des ebenso einzigartigen Phil Guy.

 

Alexander Möckl